Filter in der Landschafts - Fotografie. Überflüssig oder Unersätzlich?

Im Zeitalter der digitalen Fotografie wirken Filter oder ganze Filtersysteme antiquiert und überflüssig. Vieles spricht gegen den Einsatz. Jedenfalls war das lange meine Meinung. Nur nach und nach sind mir die Vorteile bewusst geworden. Vielleicht spielst du mit dem Gedanken ein Filtersystem anzuschaffen, um so deine Fotos und Workflow zu verbessern. Ich möchte dir hier meine Überlegungen und Erfahrungen vorstellen, um deine Entscheidung zu erleichtern.

 0.9 Hard Edge Verlaufsfilter um den Himmel abzudunkeln

0.9 Hard Edge Verlaufsfilter um den Himmel abzudunkeln

Was spricht dagegen:

 

Moderne Technik

Der Dynamikumfang neuer digitaler Kameras ist gut und wird immer besser. In vielen Situationen ist die Kamera in der Lage, alle Informationen in den Lichtern und Schatten in der Raw Datei einzufangen. Ist der Dynamikumfang einer Szene zu groß, dann lässt sich mit Lightroom oder Photoshop relativ einfach eine Belichtungsreihe zu einem Bild zusammensetzen. Was in der Filmfotografie noch undenkbar war, ist nun digital für jeden möglich geworden.

Preis

Gute Filter sind teuer. Sehr teuer. Filterhalter, Verlaufsfilter, Pol-Filter und ND Filter können sehr schnell mehrere hundert Euro verschlingen. Wenn das Filter- Kit teurer wird als die Einsteiger- Dslr oder die Objektive, dann kommt man zurecht ins Grübeln.

Extra Gewicht

Als Landschaftsfotograf ist der Fotorucksack meist voll und zu schwer. Nicht nur die Kamera und die Objektive müssen mit, sondern auch Jacke, Taschenlampe, Karten, Wasser, Stativ und vieles mehr. Jetzt noch Platz machen für Filter? Eigentlich möchte man doch Gewicht einsparen, kauft eine kleinere Kamera und packt dann wieder das Gewicht der Filter dazu? Das hört sich alles andere als verlockend an.

Mehr Arbeit im Feld

Die Sonne verschwindet langsam hinter dem Horizont, die letzten Strahlen hüllen die Landschaft in ein goldenes Licht und der Himmel fängt an, in den schönsten Farben zu leuchten. Jetzt sollte alles schnell gehen. Die Kamera an den richtigen Ort, der Bildaufbau muss stimmen, Belichtung passen und der Fokus sitzen. Wenn man nur ein Foto in dieser Zeit machen möchte, dann ist das kein Problem. Hat man es aber auf mehrere abgesehen, wird es hektisch. Noch extra Schritte in den Workflow einbauen scheint kontraproduktiv. Denn jetzt will noch der Filterhalter angebracht, Polfilter in die richtige Stellung gedreht und der passende Verlaufsfilter eingesteckt werden.   

Schmutzfänger

Manchmal ist es schon eine Herausforderung seine Objektive und den Kamerasensor sauber zu halten. Was im Studio noch einfach ist, wird in der Natur fast unmöglich. Sand, Regen, Luftfeuchtigkeit, alles hinterlässt Spuren auf der Ausrüstung. Und nun auch noch auf den Filtern. Ein weiteres Stück Ausrüstung, das vor den Elementen geschützt werden will.

 0.6 Soft Edge Verlaufsfilter um den himmel abzudunkeln / ND Filter um die Bewegung der Wolken abzubilden

0.6 Soft Edge Verlaufsfilter um den himmel abzudunkeln / ND Filter um die Bewegung der Wolken abzubilden

Und was spricht dafür:

 

Entschleunigung

Dieser Punkt steht auch auf der negativ Liste. Aber diese extra Arbeit im Feld kann auch etwas positives sein. Ähnlich wie das Fotografieren mit Film oder Festbrennweiten, verlangsamt es den ganzen Prozess. Je mehr Arbeit es macht, die Kamera auf das Stativ zu stellen, das passende Objektiv zu wählen und die Filter in die richtige Position zu bringen, desto mehr Überlegungen fließen in die Szene und den Bildaufbau. Ist dieses Bild den Aufwand wert? Warum fotografiere ich genau diesen Ausschnitt? Ist der Blickwinkel von dort drüben vielleicht doch der bessere? Das sind alles wichtige Fragen, die ich mir durch die Mehrarbeit einfach häufiger stelle. Dies führt zu weniger Fotos, in die jedoch mehr Überlegungen geflossen sind. Das Verhältnis von guten und unbrauchbaren Fotos verbessert sich.

Schnelles Feedback

Wenn ich Filter im Feld richtig einsetze, dann komme ich schon vor Ort sehr nahe an das finale Bild. Durch Einsatz des Polfilters haben die Farben mehr Sättigung und der Verlaufsfilter passt die Helligkeit des Himmels an den Vordergrund an. So lässt es sich einfacher beurteilen, ob man den Moment richtig eingefangen hat und sich dem nächsten Motiv widmen kann.

Kürzere Nachbearbeitung

Das fängt schon bei der Menge der Fotos an. Wenn es der Filtereinsatz erlaubt anstelle einer ganzen Belichtungsreihe nur ein Foto zu machen, dann spare ich mir pro Auslösung zwei bis sechs Fotos. Das wiederum erleichtert das Bewerten, Auswählen und Katalogisieren der Fotos. Ganz zu schweigen von dem geringeren Datenvolumen auf den Festplatten.

Durch die Filter sind viele Fotos schon sehr nahe an ihrer finalen Form. Es sind nur kleine Veränderungen in Lightroom nötig. Dann nur noch die Verschlagwortung und die Dateien sind fertig für die Erstauswahl von Klienten oder Bildagenturen. Die aufwändige, zeitintensive Bearbeitung in Photoshop kommt nur noch bei einem Portfolio Bild oder bei einem Klientenwunsch zum Einsatz.

Einzigartige Effekte

Der Polarisationsfilter lässt sich digital nicht ersetzen. Durch seinen Einsatz kann man Reflektionen auf glänzenden Oberflächen wie z.b. Wasser oder auch nasser Vegetation vermeiden. Dadurch bekommt das Foto ein Aussehen, das anders nicht zu erreichen ist. Die Farbsättigung lässt sich digital erhöhen, ist aber durch den Polfilter oft schon ausreichend.

Langzeitbelichtungen lassen sich nur schwer digital erzeugen. Es ist möglich viele Fotos zu einem zu verbinden und so den Effekt zu reproduziern. Das Ganze ist aber mit einem großen Mehraufwand verbunden. Viel einfacher ist es einen ND-Filter zu benutzen und sich die digitalen Arbeitsschritte zu sparen.

Bewegte Motive

Als Naturfotograf ist man den Elementen ausgesetzt. Eine Szene kann sich von der einen Sekunde auf die andere stark verändern. Der Wind fährt in Bäume, Gräser, Wolken ziehen schnell durch den Himmel und die Blumen, die noch vor kurzem in die eine Richtung geguckt haben, neigen nun ihre Köpfe in eine andere. Natürlich kann man auch hier mit Belichtungsreihen arbeiten, doch diese dann in Photoshop zusammenzusetzen ist keine leichte Aufgabe und nimmt viel Zeit in Anspruch. Es ist effizienter vor Ort einen Verlaufsfilter einzusetzen und die Szene in einer Aufnahme abzubilden.

 Polfilter um Reflektionen im Wasser und auf der Vegetation zu vermeiden. ND Filter um die Belichtungszeit zu verlängern und Bewegung ins Wasser zu bekommen

Polfilter um Reflektionen im Wasser und auf der Vegetation zu vermeiden. ND Filter um die Belichtungszeit zu verlängern und Bewegung ins Wasser zu bekommen

Mein Fazit:

Am Anfang meiner Fotografie - Karriere stand ich Filtern noch sehr skeptisch gegenüber. Zu teuer, schwer und aufwändig. Warum sollte ich meine Arbeit komplizierter machen, wenn ich doch die gleichen Ergebnisse digital erzielen kann? Mehr aus Neugier als aus Überzeugung habe ich mein erstes Filterset gekauft und zunächst selten benutzt. Im Laufe der Zeit, nach vielen Experimenten, habe ich nun meine Meinung geändert. Sie entschleunigen meine Arbeit vor Ort und lassen mich überlegter fotografieren. Ich habe eine kürzere Nachbearbeitung und verbringe dadurch mehr Zeit draußen. Manche Effekte kann ich digital nicht, oder nur mit einem großem Aufwand erzeugen. Natürlich kann ich ohne Filter arbeiten und längst nicht jede Situation erfordert ihren Einsatz. Ich möchte jedoch nicht mehr auf Filter in meinem Workflow verzichten. 

Im nachfolgenden findest du noch Links zu dem Filtersystem, das ich zur Zeit nutze. Dabei handelt es sich um Amazon Affiliate Links. 

Mein Filter System

 

Filterhalter:

Ich benutze das Lee Foundation Kit. Ich habe versucht mit aufschraubaren Filtern zu arbeiten, aber das war mir definitv zu fummelig. Ich benutze das 100mm System für meine DSLR. Wenn ihr eine Systemkamera benutzt, dann kommt für euch das kleinere Lee Seven5 System mit den entsprechend kleineren Filtern in Frage. Bei Fragen dazu einfach in den Kommentaren melden!

Polfilter:

Ich habe den 105mm großen, runden Polfilter von Lee. Diesen kann man mit dem entsprechenden Adapterring direkt vorne auf das Foundation Kit setzen. Durch die Größe des Filters vermeidet man eine Vignette bei Weitwinkelobjektiven

ND Filter:

Da benutze ich den Litte Stopper (6 Stops) und den Big Stopper (10 Stops). Lee bietet auch den Super Stopper (15 Stops) an, aber für den habe ich bis jetzt noch keine Verwendung. Vielleicht später mal. Das gute an den ND Filtern von Lee ist, dass sie kaum die Farbe in den Fotos verändern, was bei günstigen Filtern oft der Fall sein kann.

Verlaufsfilter:

0.6 Soft Edge und 0.9 Soft Edge Filter von Lee. Die weiche Kannte ist sehr hilfreich wenn man Objekte hat, die weit in den Himmel ragen. Kirchtürme, Bäume, Hochhäuser und Berge. Durch die weiche Kannte ist der Übergang viel fließender und fällt nicht so auf.

0.6 Hard Edge und 0.9 Hard Edge Filter von Lee. Wenn man einen glatten Horizont hat und nichts in den Himmel ragt, dann kommen die Filter mit der harten Kannte zum Einsatz. Am Meer zum Beispiel oder in meiner Heimat der Lüneburger Heide.

Adapterringe:

Die werden benötigt, um den Filterhalter am Objektiv zu befestigen. Es gibt für jede Objektivgröße den passenden Adapterring. Für Weitwinkelobjektive gibt es eine speziellen Weitwinkeladapter um Vignettierung zu vermeiden.

Lens Caps:

Wenn man die Adapterringe auf den Objektiven lassen möchte, dann passen die Standard- Objektivdeckel nicht mehr. Dafür gibt es aber eine günstige Alternative, die einfach über den Ring gestülpt werden kann.

Filtertasche:

Und zu guter Letzt muss das ganze Kit sinnvoll verstaut werden. Mir gefällt diese Filtertasche sehr gut, da es viele Befestigungsmöglichkeiten für sie gibt. Am Gürtel, über dem Stativkopf oder einfach um die Schulter.

Was ist edeine Meinung zu dem Thema? Benutzt du Filter oder planst welche zu kaufen? Oder sind sie für dich überflüssig? Wenn du noch Fragen oder Anmerkungen hast, dann schreibe doch bitte einen Kommentar.

 100mm Filtersystem von Lee

100mm Filtersystem von Lee